VOM HÄUSERBAUEN. GION A. CAMINADA

August 8, 2009

es ist an der zeit, wieder vom häuserbauen zu schreiben. für einmal kann das wort sehr ernst genommen werden: es geht um gion a. caminada’s schaffen: um gebaute häuser und nicht mehr und nicht weniger.

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„Die Architektur wird gesteuert von ökonomischen, technischen und intellektuellen Fakten und ist dabei geprägt von fehlendem präzisem Nachdenken über Sinn und Wert. Der Boden, der uns die Sicherheit gibt, in Zusammenhängen zu denken, scheint abwesend zu sein. Die Realität manifestiert sich in Bildern von vorgefertigter Interpretation, intellektuellem Erfinden und zwanghaftem Streben nach Originalität.“ schreibt caminada auf seiner ethz-homepage.

und man merkt, wenn man caminadas häuser anschaut, dass er versucht den boden, der abwesend zu sein scheint, unter den füssen zu behalten. villeicht ist das im 300-bewohner dorf vrin in graubünden, wo er wohnt und arbeitet naheliegender und einfacher. so stehen auch ein grossteil seiner bauten in diesem dorf: landwirtschaftliche und gewerbliche betriebe, wohnhäuser, eine turnhalle, eine telefonzelle und eine totentube.

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„Es braucht eine Kultur des Wertsetzens, mit Bezug zu einem größeren Zusammenhang, im Sinne der Pflege des Wertens, die man vernachlässigt hat, weil Werte nicht objektiv setzbar sind, also mit dem Instrumentarium der Wissenschaft nicht etablierbar sind. Eine Architektur mit dem Anspruch auf Kultur muss in der Lage sein, von sich aus solche Probleme zu erkennen und diese fortlaufend aufzulösen.“

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5 Antworten to “VOM HÄUSERBAUEN. GION A. CAMINADA”

  1. yourlapdog Says:

    hmhm. dank aufmerksamem leser rückgemeldet bekommen, dass das erste bild nicht caminada ist sondern olgiati.pardon.es ist trotzdem grossartig.

  2. Regi Says:

    bin auch aufmerksam und NICHT zynisch. was zum henker ist eine totentube? elmexit?

  3. Regi Says:

    Elmexit: streichen sies auf die bürste, reiben sies in die zähne und das stadtfest ist weit weg! sie auch. von ludwig a. minelli empfohlen.

  4. yourlapdog Says:

    „totentube“, nach brockhaus ein nicht eindeutig definiertes raumkonglomerat zur (teils vorübergehenden) aufbewahrung und abdankung von verstorbenen.
    als totenbehausung teils in die erde gegraben, teils über dem Boden errichtet, ist die t. als typus prägend für den übergang aus der selbstständigen zur klassischen architektur.
    typologisch in sehr differenzierten formen bekannt, ist einer t. eine konische, „tuben“-ähnliche formgebung eigen. diese unkonventionelle erscheinung ist es wohl, die die moderne immer wieder zu neuinterpretation der t. geführt hat.
    die ehre und aufbewahrung der toten gilt als ein erstes wichtiges moment für das existieren geistiger individualität, da es hier die einzelheit ist, die, statt aufgegeben zu werden, erhalten erscheint, indem wenigstens der körper als diese natürliche unmittelbare individualität geschätzt und geachtet wird. wie der Ackerbau das nomadische umherschweifen zum eigentum fester sitze fixiert, so vereinigen überhaupt gräber, grabmäler und totendienst die menschen und geben auch denen, welche sonst keine stätte, kein begrenztes eigentum besitzen, einen sammelplatz, heilige örter, die sie verteidigen und sich nicht wollen entreißen lassen.

  5. Regi Says:

    danke für die tolle erklärung! ich möchte auch mal in einer tube beigesetzt werden.


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