KOLUMNE 1 VOM HÄUSERBAUEN: DILEMMA 1!

Juni 2, 2008

Kolumne 1 vom Häuserbauen: Dilemma 1 vom Häuserbauen

Beim verzweifelten Durchblättern des aktuellen Geos auf der Suche nach einem spannenden Artikel begegnete mir dieses Bild. Es ist ein „Einfamilienhaus“ in Georgien, das an der neu gebauten Öl-Pipeline steht. Meine anfängliche Freude über das Entdecken eines so schönen Bildes wandelte sich schnell in unangenehmes Nachgrübeln. Es kam mir dabei nämlich folgende Frage in den Sinn: Wie kann man schöne Häuser bauen, wenn nur alte Häuser schön sein können? Sie führte noch weiter, nämlich: Wieso soll man Häuser bauen, wenn sie nicht schön werden? Zumindest nicht zu einer Zeit, in der man das Haus selbst betrachtet. Und noch weiter in die Krise: Was soll ein immartikulierter Architekt dazu sagen, der sich eben fürs Häuser Bauen entschieden hat? Beziehungsweise: Wieso das Bauen studieren, wenn es die Georgier und die alten Appenzeller auch ohne Masterstudium, und ohne teure Dozenten können. Besser können.

Man betrachte dabei einmal einige Details des georgischen Einfamilienhauses: Im linken oberen Viertel sieht man schwach einen alten, verkrümmten Balken. Es ist dem besten Zimmermann nicht möglich so etwas neu einzubauen. Aber dem georgischen Winter, und dem nächsten und nächsten gelingt es nebenbei. Oder das rostige Kamin. Oder das Gras auf dem Dach, das sich wie auf einem Hügel auf den Hausdach befindet. Das war alles nicht so geplant als der Grossvater und der Nächste eins ums andere angebaut hatten. Es braucht vielleicht einen unrationellen, nicht steuerbaren Einfluss, damit ein Haus gelingt. Und dafür muss man nicht an die ETH!

Natürlich gibt’s auch gutes Neues. Man kann Architektur Bildbände anschauen und sich sehr freuen. Oder in der Stadt suchen gehen. Man kann finden. Aber muss dazu erst viele scheusslich Eindrücke in sich aufnehmen. Ich muss sie nicht aufzählen, man kennt’s.

 

What to do? Exmartikulieren? Oder hoffen man gehört zu den wenigen, die versuchen es den Georgiern nachzutun. Zumindest in deren Ästhetischem Bewusstsein, auch wenn dieses anzunehmenderweise ungewollt ist. Also versuchen sich mit etwas Unvernunft und noch mehr Vernunft an die Sache zu wagen. 

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Eine Antwort to “KOLUMNE 1 VOM HÄUSERBAUEN: DILEMMA 1!”

  1. bademeister Says:

    wunderschöne und wunderbare erste kolumne! bin begeistert!


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